Stapelholm-Kaserne Flüchtlingsunterkunft in Seeth: Hilfsangebote lösen harte Kritik ab!

(Stapelholm, 22.07.2015) Zur Informationsveranstaltung in der Seether Stapelholm-Kaserne kamen mehr als 450 Bürger. An der Landesregierung wurde Kritik geübt, doch die Flüchtlinge sind in der Gemeinde willkommen

Das Interesse an Informationen war riesengroß, es fehlte aber an Sitzgelegenheiten.

„Das werde ich als Bürgermeister nicht noch einmal erleben: Abends in mein Bett gehen und am nächsten Tag mit 600 Neubürgern aufwachen.“ Das sagte Seeths Bürgermeister Peter-Wilhelm Dirks zum Abschluss der Informationsveranstaltung in der Stapelholmer-Kaserne. Damit traf er im Grunde die Stimmung der Veranstaltung, denn obwohl es im Vorwege viel Kritik an der Entscheidung der Landesregierung gegeben hatte, in der seit Ende Juni leerstehenden Kaserne eine vorläufige Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge zu schaffen, zeigte die Mehrheit der rund 450 Besucher (es gab viel zu wenige Sitzgelegenheiten) des Infoabends doch Verständnis.

Gleich zu Beginn stellte Bürgermeister Dirks klar, dass niemand etwas gegen die Flüchtlinge habe, nur fühle man sich etwas überrollt, denn im Vorwege habe es keinerlei Informationen gegeben. Das räumte Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler vom Innenministerium ein und erklärte den Besuchern, wie es dazu gekommen ist. Von der großen Anzahl von Flüchtlingen sei man überrascht worden, und man halte eine Unterbringung in einer Turnhalle, wie in Neumünster, nicht für geeignet. Daher habe man auch die eigentlich verfolgte Linie verlassen, möglichst nur in Städten solche Einrichtungen aufzubauen.


Seeth sei ein Provisorium für 600 Flüchtlinge, die dort in der Erstaufnahme-Einrichtung maximal sechs Wochen, im Mittel allerdings nur zehn bis zwölf Tage bleiben, ehe sie auf die Kreise und Kommunen aufgeteilt werden. „Seien sie auf mich böse, seien sie auf die Landesregierung sauer, aber bitte nicht auf die Menschen, die Schlimmes erlebt haben. Die sollen jetzt endlich zur Ruhe kommen können“, sagte die Kieler Politikerin – starker Beifall folgte.

Die Zwischenrufer, die hin und wieder auf die Landesregierung schimpften und ihr unterstellten, geschlafen zu haben und nicht rechnen zu können, wurden immer stiller, denn Thema fast aller Bürger war tatsächlich die Frage, wie den Asyl-Bewerbern geholfen werden könne und was sich eigentlich hinter einer solchen Erstaufnahme-Einrichtung verberge.

Dort, so wurde den vielen Besuchern aus Seeth, Norder- und Süderstapel sowie Drage und Friedrichstadt mitgeteilt, würden die Menschen, die vorwiegend aus Syrien, Eritrea, aber auch aus Afghanistan und einigen Balkanstaaten kommen, zunächst aufgenommen. Dort könnten sie einen Asylantrag stellen und bei Bedarf auch ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Bereits ab Montag soll eine medizinische Versorgung sichergestellt sein. Zudem würden Kinder beschult und die bunte Mischung aus Familien und Einzelpersonen betreut. Etwa 80 Personen werden für den Betrieb benötigt.


Da die Einrichtung in Seeth übers Knie gebrochen wurde, werde anfangs viel auf das Ehrenamt gesetzt, etwa das Rote Kreuz. Ein Wachdienst sei aber bereits gefunden, andere Stellen würden ausgeschrieben. Die Bitte aus dem Saal, dann Bewerber aus der Region zu bevorzugen, wurde wohlwollend notiert.

Allerdings stellten viele Besucher übereinstimmend fest, dass den rund 600 Menschen außerhalb der Stapelholmer Kaserne kaum etwas geboten werde, da es in Seeth selbst nur eine Bäckerei-Filiale gibt. Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen teilte daraufhin mit, dass Gespräche mit der Autokaft geführt worden seien, bereits ab kommenden Montag werde der eigentlich in der Ferienzeit noch mehr als üblich ausgedünnte Busverkehr wesentlich verstärkt, in beide Richtungen, nach Friedrichstadt und Kropp. Wolfgang Buschmann, Landrat des Nachbarkreises Schleswig-Flensburg, berichtete von einer ähnlichen Versammlung in Eggebek, wo ebenfalls eine Flüchtlings-Einrichtung aufgebaut werde. Dort habe sich vielfache anfängliche Skepsis in Hilfsbereitschaft gewandelt.

Den Hinweis eines Besuchers nahm das Plenum sehr ernst. Amtsvorsteher Ralf Heßmann, von Beruf Offizier, versprach sich darum zu kümmern, dass auf dem nahen Truppenübungsplatz Schießübungen wenn möglich eingestellt werden, da viele der Neubürger aus Kriegsgebieten kommen.

Ein schöneres Schlußwort als das von Fiede Wobig hätte es kaum geben können. „Vor 50 Jahren, als die Kaserne gebaut wurde, gab es ganz viele Skeptiker, es hieß immer wieder, dat ward nichts. Wir haben 50 Jahre gut mit und von den Soldaten gelebt. Das klappt auch mit den Aussiedlern.“



Auszug der Redaktion der Husumer Nachrichten von Ullrich Meißner
erstellt am 18.Jul.2015 | 13:00 Uhr


Foto: ume

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Das Interesse an Informationen war riesengroß, es fehlte aber an Sitzgelegenheiten.

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