Stress in Norderstapel : Eine Rettungswache für vier Kreise

(Norderstapel, 07.01.2015) In Norderstapel steht nur ein einziger Rettungswagen. Wenn dessen Einsatz länger dauert, können Probleme mit den Hilfsfristen-Zeiten auftreten. Eigentlich muss der Einsatzort zwölf Minuten nach Alarmierung erreicht sein.

„Leitstelle Nord für Rettung Schleswig 70/83/1...“ – der Ruf aus dem Lautsprecher lässt keine Zweifel aufkommen. Es wird ernst. Und während Rettungsassistent Stefan Rautenberg ein „Hört“ in das Funkgerät spricht, spielt sein Kollege Stephen Burmeister hinterm Lenkrad in Gedanken schon mal durch: „In welche Richtung wird es gehen....?“ In diesem Fall nach Westen, nach Seeth in Nordfriesland. Von der DRK-Rettungswache in Norderstapel kann es in vier Richtungen und damit in vier verschiedene Kreise gehen. Der Rund-um- die-Uhr-Stützpunkt Norderstapel nimmt eine Sonderstellung ein.

Hans-Dieter Nissen, zuständig für alle neun Rettungswachen im Kreis Schleswig-Flensburg stellt fest: „Wir sollten unseren Kindern nicht sagen:Oh, da ist was Schlimmes passiert – sondern: Die eilen zum Einsatz, um jemandem zu helfen.“ Acht hauptamtliche Rettungsassistenten und eine Auszubildende arbeiten in Norderstapel. Der dort stationierte Rettungswagen absolvierte 2013 genau 1003 Einsätze – davon 770 Notfälle. Die Wache wurde als Folge der Verkürzung der so genannten Hilfsfrist eingerichtet und nahm im Juli 1999 ihren Betrieb auf. Diese Frist wurde zum 1.Januar 2000 von 15 auf zwölf Minuten herabgesetzt. Vorher wurden Eintreffzeiten von bis zu einer halben Stunde registriert. Kein Wunder, die Rettungswagen aus den Wachen Kropp, Husum, Heide oder Rendsburg hatten unverhältnismäßig lange Anfahrtstrecken und -zeiten. Träger des Rettungsdienstes ist grundsätzlich der zuständige Kreis oder die Stadt. Er kann die Aufgaben – wie in Nordfriesland – mit eigenem Personal und Fahrzeugen wahrnehmen oder „Dritte“ – wie in den meisten Kreisen – damit beauftragen.
Beim aktuellen Fall, dem Einsatz in Seeth, arbeitete die Rettungswagen-Besatzung mit dem Notarzt aus Tönning, der parallel von der Tönninger Rettungswache aus eintraf, zusammen. Dieser begleitete im Norderstapeler Rettungswagen auch die anschließende Verlegung ins Heider Westküstenklinikum. Zwei Stunden später, in denen kein weiterer Einsatz anstand, trifft der RTW wieder ein. Sonst hätte sich eine Situation ergeben können, wie vor der Inbetriebnahme der Wache, die zwölf Minuten wären nicht einzuhalten gewesen. Die Norderstapeler Wache ist nämlich eine der Ein-Fahrzeug-Wachen im Land. Rückt der Wagen aus, ist die Wache leer – mit allen Konsequenzen.

Stephen Burmeister und Stefan Rautenberg arbeiten schon seit den 1990er Jahren im Rettungsdienst. Beide sind ein eingespieltes Team. Das ist wichtig in einem ländlich strukturierten Gebiet, in dem die Anfahrtzeiten häufig länger sind. Gearbeitet wird auf der Wache in einer Tagschicht von 7 bis 19 Uhr und in einer Nachtschicht von 19 bis 7 Uhr. Beide bescheinigen übereinstimmend: „12-Stunden-Schichten sind angenehm. Wir haben hier ein gutes Betriebsklima.“ Der DRK-Rettungswagen versorgt in Nordfriesland beispielsweise alle sechs Orte des Kirchspiels Schwabstedt, Friedrichstadt und die Besatzungen sind häufiger zu Einsätzen auf der B 5 dabei. Im Kreis Schleswig-Flensburg werden unter anderem Wohlde, Erfde, Bergenhusen Dörpstedt oder Hollingstedt versorgt. In Dithmarschen gehören St. Annen und Österfeld dazu, im Kreis Rendsburg-Eckernförde beispielsweise Christiansholm oder Friedrichsholm. Alarmierungsprobleme gibt es nicht, originär wird das Fahrzeug über die Leitstelle Nord in Harrislee eingesetzt. Die Einsatzverteilung? „Die meisten Einsätze fahren wir für Nordfriesland“, sagt Stephen Burmeister – und schätzt den Anteil auf 70 Prozent.


Ende November 2014 kam der nagelneue Rettungswagen – der fünfte seit Wachenstart. Wenn tagsüber der Notarzt aus Rendsburg oder Niebüll per Hubschrauber einfliegt, dann wartet auf dem Landeplatz vor der Wache ein einsatzbereites Fahrzeug der Süderstapeler Feuerwehr, der den Mediziner an Bord nimmt und zum Einsatzort bringt. Das klappt seit einigen Monaten gut.

Der neue DRK-Rettungswagen ist mit zusätzlichen Gerätschaften wie Spineboard, neuem C 3-Defi und Trauma-Licht (blau-farbig) im Patientenraum ausgestattet.


vom 7. Januar 2015

Auszug aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zum Bild:
Die Rettungsassistenten Stephen Burmeister (l.) und Stefan Rautenberg vor dem neuen Einsatzfahrzeug der Norderstapeler Wache. Hem

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